Selbstständig als Autorin – wie geht das?

Zunächst einmal durch schreiben, schreiben, schreiben. Wer hätte es gedacht?

Viel lesen, wäre auch nicht schlecht 😉

Früher habe ich Autoren dafür bewundert, dass ihre Ideen so zahlreich sind, dass diese ein ganzes Buch füllen. Ich dachte immer, so viel Fantasie habe ich nicht und woher nimmt man die ganzen Einfälle für Dialoge? Woher weiß man, worüber die Charaktere reden sollen?

Auf all diese Fragen, weiß ich noch immer keine Antwort, denn die Ideen für neue Bücher suchen mich und nicht ich sie. Je verbissener ich suche, desto weniger fällt mir ein. Das gleiche gilt für die Charaktere. Zum Glück bestimmen sie selbst, worüber sie reden wollen. Es ist wie bei realen Menschen, jeder hat seine eigenen Facetten und ist einzigartig und genau aus diesen Eigenschaften ergeben sich die Gesprächsthemen und natürlich auch die Konflikte/Beziehungen im Roman.

Aber wie wird man denn nun Autor/in?

Schreiben bedeutet Träume zu teilen.

Bei mir war es so, dass ich mein erstes Buch schrieb, als ich mehrere Monate Zeit hatte bis zum Beginn meines Studiums. Dabei merkte ich, wie schön es ist, seine Ideen auf Papier fließen zu lassen und die Geschichten mit anderen Menschen zu teilen, denn das Schreiben bedeutet für mich Träume zu teilen.

Autorin wird man also zuallererst und ausschließlich durch das Schreiben von Büchern. Ich weiß, das ist jetzt keine bahnbrechende Erkenntnis, aber der Artikel ist ja an dieser Stelle auch noch nicht zu Ende.

Nach dem ersten Buch konnte ich also nicht mehr aufhören zu schreiben. Bis einschließlich Blog Love sind alle meine Romane während meines BWL-Studiums entstanden.

Aber wie wird man denn nun selbstständig?

Darauf gibt es keine Patent-Antwort. Das muss jeder für sich selbst entschscheiden. Bei mir war es eine Bauchentscheidung, da die Phönix-Saga so gut bei den Lesern ankam, beschloss ich am Ende meines Studiums, es einfach zu wagen und mir selbst zwei Jahre zu geben, um meinen Traum vom Schreiben leben zu können, zu verwirklichen.

Höre nicht auf andere, sondern nur auf dich selbst.

Man sollte doch meinen, das Umfeld würde einen so vernünftigen Plan wie zwei Jahre „Pause“ im Lebenslauf (gerade mit dem Rückhalt eines Studienabschlusses) unterstützen, denn selbst wenn es nicht klappt, wäre nichts verloren. Aber wer dabei auf Unterstützung von seinem Umfeld hofft, kann es gleich vergessen. Mir haben sämtliche Freunde und Verwandte ins Gewissen geredet, ich solle mir doch nach meinem Bachelor-Abschluss einen „richtigen“ Job suchen und nebenbei schreiben. Was dabei nicht bedacht wird ist, dass man gerade in den ersten Jahren im Job sehr viel neu lernen muss. Die Einarbeitungsphase ist lang, man kommt abends müde nach Hause und am Wochenende will man ausspannen. Später kommen dann vielleicht Kinder dazu und die freie Zeit wird dadurch nicht mehr. Deswegen: Höre nicht auf andere, sondern nur auf dich selbst. Was bedeutet das für dich konkret?

„Irgendwann“ ist kein guter Zeitpunkt, „jetzt“ dagegen schon.

Die perfekte Zeit zum Schreiben kommt nie, außer du nimmst sie dir bewusst. Der Traum, irgendwann ein fertiges Buch in den Händen zu halten, rückt in immer weitere Ferne. Denn „irgendwann“ ist kein guter Zeitpunkt, um etwas zu schaffen. „Jetzt“ dagegen schon. Wenn du es also unbedingt willst, dann solltest du es einfach machen, egal was andere sagen. Glaube an dich.

Ich habe dieses „jetzt“ ergriffen, war mutig und habe mich direkt nach meinem Studium selbstständig gemacht. Obwohl alle den Kopf geschüttelt haben, weil ich quasi das Wissen aus drei Jahren Studium ungenutzt lasse und mich auch noch für ein unsicheres/schwankendes Einkommen entschieden habe. Aber weißt du, was? Ich würde es jederzeit wieder tun!

Aber was ist mit den Risiken einer Selbstständigkeit?

Natürlich hat die Selbstständigkeit auch Schattenseiten. Das schwankende Einkommen, ist eine davon. Andererseits, wie viel Sicherheit hat man schon im Leben? (klick) Als Angestellter kann man jederzeit gekündigt werden und dann gibt es auch immer ein gewisses Berufsrisiko bei körperlichen Tätigkeiten. Zumindest ist bei meiner schriftstellerischen Tätigkeit die Verletzungsgefahr verschwindend gering.

Dann gibt es noch das Problem, das sich aus dem Wort selbstständig ergibt. Man ist ständig am Arbeiten für einen selbst. Manchmal würde ich auch einfach gerne abends nach Hause kommen und abschalten können oder mehr unter Menschen sein, denn die Wahrheit ist, ich bin viel alleine zu Hause, mein bester Freund ist mein Laptop, der sich alle meine Geschichten als erster anhört. Meine Gedanken kreisen ständig um irgendwelche Ideen, die ich noch im Plot einbringen will, oder ein Foto, das ich für Instagram machen möchte und dann muss noch diese Marketing-Aktion geplant werden, diese Leute angeschrieben, das neue Exposé ausformuliert werden, ach ja und die sechzig seitige Leseprobe gab es ja auch noch. Da kann es schon schwerfallen, sich am Sonntag zu sagen, nein heute mache ich ganz bewusst nichts, was mit Arbeit zu tun hat.

Nicht zu vergessen ist auch die Motivation. Ich muss mich ständig motivieren, wirklich zu arbeiten, denn die Verlockungen und Ablenkungen sind groß. Nur mal eben kurz diesen Blogpost lesen oh und xy hat ein neues Video auf YouTube hochgeladen. Und mal wieder die Wohnung aufräumen wäre auch nicht schlecht. Stichwort: Prokrastination. Andererseits, wenn man etwas liebt, dann findet man auch die nötige Motivation. Das bringt mich zum nächsten Punkt.

Aber es hat doch sicher auch Vorteile selbstständig zu sein?

Aber sicher doch und das sind so einige, die ich nicht mehr missen möchte. Wie zum Beispiel, dass ich mein eigener Chef bin. Ich war noch nie gut in Teamwork, weil ich lieber meine eigenen Ideen verwirkliche. Außerdem mag ich es nicht, sich in bestehenden Strukturen unterzuordnen. Jetzt schreibt mir niemand etwas vor, ich bin frei zu entscheiden, was ich tue und wann ich es tue. Das kann für Menschen, denen es an Ehrgeiz oder Motivation fehlt aber auch schlecht sein, denn dann hängt man den ganzen Tag nur rum, und bekommt nichts geschafft. Du musst also eine hohe Eigeninitiative mitbringen und sehr selbstständig arbeiten. Das war bei mir zum Glück schon immer so. Ich habe zum Beispiel nie in Gruppen gemeinsam für Klausuren gelernt. Das war einfach nicht mein Ding.

Ich mag es auch sehr, nicht mehr morgens arbeiten zu müssen. Das Schreiben mache ich meist am Nachmittag bis zum späten Abend. Vormittags stehen dafür Social Media und Yoga auf dem Programm. Die Autorentätigkeit kommt meinem natürlichen Biorhythmus (= Eule) somit sehr gelegen.

Aber woher weiß man nun, ob die Selbstständigkeit das Richtige für einen ist?

Diese Frage kann ich dir leider auch nicht beantworten. Das ist etwas, das jeder für sich selbst entscheiden muss.

Bei mir zum Beispiel ist es so, dass meine Neigungen schon immer zur Selbstständigkeit gingen. Ich bin nicht der Typ für Gruppenarbeiten, habe schon immer lieber alleine gelernt und mag es lieber, wenn mir niemand in meine Entscheidungen reinredet. Ich habe mich schon als Kind nie in einem „typischen“ Bürojob gesehen, bei dem man täglich seine Aufgaben verrichtet, so wie die Firma / der Chef es vorschreibt. Schon früher habe ich mit dem Gedanken gespielt, Fotografin zu werden oder ein Café zu eröffnen, beides Jobs, für die man sich selbstständig machen muss. Darüber und wie diese beiden (Traum-) Jobs in meine Bücher eingeflossen sind, könnt ihr hier nachlesen.

Ich fühle mich sehr wohl damit, sagen zu können ich bin von Beruf Autorin. Dass das Bücher schreiben so gut zu mir passt, hat vermutlich auch etwas mit meiner „Advokat“ Persönlichkeit zu tun. Der Myers-Briggs Test ist übrigens sehr interessant. Er unterscheidet in 16 Persönlichkeitstypen und du kannst dabei viel über dich selbst lernen.

Die Persönlichkeit des Advokaten ist zum Beispiel sehr selten in der Bevölkerung zu finden und geprägt von Idealismus und gleichzeitiger Zielstrebigkeit. Was den Job angeht, steht dort sogar, dass Schreiben ein passender Beruf ist, wohingegen Buchhaltung einen Advokaten nicht erfüllt. Tja, kein Wunder, dass ich mich in 70% aller Vorlesungen gelangweilt habe (für die, die es nicht mehr wissen, ich habe BWL studiert).

Bücher sind wie kleine Inseln, auf die man sich für die Dauer des Lesens zurückziehen kann.

Bei mir treffen sehr viele Dinge für diesen Persönlichkeitstyp sehr genau zu. Zum Beispiel, dass Geld nicht als so wichtig angesehen wird, sondern man sich vielmehr einen Job wünscht, der eine Bedeutung hat und mit dem man anderen hilft. Ich glaube fest daran, dass meine Geschichten genau das tun, denn sie entführen meine Leser aus ihrem Alltag, regen sie zum nachdenken an oder bringen sie zum schmunzeln. Meine Bücher sind wie kleine Inseln, auf die man sich für die Dauer des Lesens zurückziehen kann.

Schreib mir gerne deine Meinung zu dem Thema. Ich bin sehr gespannt, was du über die Selbstständigkeit denkst.

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